Verflechtungsrecherchen decken kriminelle Geschäftspartner auf

04.09.2019 – Joint-Venture-Partner, M&A-Übernahmekandidaten oder einfach nur der wichtige Lieferant, mit dessen Unterstützung eine neue Produktlinie aufgebaut werden soll. Wenn es um einen wesentlichen Geschäftspartner geht, ist es wichtig, die Hintergründe des Unternehmens, die handelnden Personen und potentielle „red flags“ zu kennen. Eine Verflechtungsrecherche zeigt sehr schnell, wenn Verantwortliche in kriminelle Machenschaften verstrickt sind, eine eigene Agenda verfolgen oder sonstige Risiken in der Zusammenarbeit lauern.

Neue gemeinsame Projekte bergen immer Risiken in sich und werfen die Frage auf, ob der Partner zuverlässig ist und die Erwartungen erfüllt. In der Regel gibt meist die Qualität des Produkts, die Liefergeschwindigkeit sowie der Preis den Ausschlag für die Auswahl. Eine Prüfung der Verträge durch Juristen sowie bei wichtigen Projekten oder intensiver Zusammenarbeit eine Financial Due Diligence gehören meist noch zum Standard. Eine Prüfung auf kriminellen Risiken, eine sog. Business Risk Diligence, zur Risikominimierung von kritischen Geschäftsprozessen, unterbleibt jedoch oftmals. Was aber, wenn der Geschäftspartner sich im Nachhinein als unzuverlässig, unseriös oder sogar kriminell entpuppt?

Mit einer Verflechtungsrecherche können geschäftliche Verbindungen, tatsächlich im Hintergrund agierende Personen, internationale Abhängigkeiten und bereits erfolgte Verfahren gegen das Unternehmen oder die handelnden Personen sehr schnell aufgedeckt werden. Immer häufiger gibt es bei solchen Überprüfungen leider red flags auf wirtschaftskriminelle Vorgänge im Unternehmen, Hinweise zu gezielt eingesteuerten Kampfpreisen, um den Zuschlag zu erhalten, oder den Nachweis, dass Führungsverantwortliche bereits in einem Korruptionsverfahren beteiligt waren. Dies kann zum Verlust von Vermögenswerten, einem Abfluss von Know-how oder einem Schaden für die Reputation des eigenen Unternehmens führen.

In einer Zeit zunehmender Digitalisierung werden immer mehr Register online geführt, entstehen täglich neue Datenbanken und gibt es immer mehr Möglichkeiten, solche Verflechtungsrecherchen aus digitalen Quellen am Desktop durchzuführen. Man benötigt jedoch das Wissen über die verfügbaren Quellen, die Zugänge zu den meist kostenpflichtigen Datenbanken und das Know-how, die richtigen Informationen aus einer Flut von Daten gezielt zusammenzutragen. Insbesondere wenn es sich um internationale Geschäftspartner handelt, weltweit verzweigte Firmengeflechte oder zu überprüfende Personen mit ausländischen Wurzeln sind solche Überprüfungen gar nicht so einfach. Vor allem schon deswegen, weil viele der Informationen in unterschiedlichsten Sprachen vorliegen. Darüber hinaus ist es oftmals wichtig zu prüfen, was die Ursprungsquelle einer Information war. Bei vielen Daten aus Zweitquellen stellt man bei genauerem Hinsehen fest, dass es zu Übersetzungsfehlern gekommen ist, es sich um alte und häufig nicht mehr aktuelle Eintragungen handelt oder einfach schlecht zusammengefasst wurde.

Eine professionelle Verflechtungsrecherche ist daher kein Projekt, dass man mal schnell so zwischendurch machen kann. Es ist eine Aufgabe für erfahrene Analysen mit einem langjährigen Sicherheitshintergrund und dem Zugang zu all den weltweit verfügbaren Datenbanken.

Wenn es um die Überprüfung von Personen geht, sollte hinterher zweifelsfrei geklärt sein, dass er/sie nicht auf einer internationalen Sanktions- oder Embargoliste steht. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass es noch keine Verfahren nach Antikorruptionsgesetzen (z.B. FCPA oder UK Bribary Act) oder im Zusammenhang mit Betrug, Geldwäsche und Informationsdiebstahl gab sowie ob es Kontakte zur Organisierten Kriminalität (OK) bzw. Nachrichtendiensten oder kritische Verbindungen zu Konkurrenzunternehmen gibt.

Verflechtungsrecherchen zeigen in visuell übersichtlicher Form, welche Verbindungen zwischen Firmen und Personen bestehen. Da zu jeder Verbindung die gefundenen Dokumente jeweils im Chart hinterlegt sind, können diese Recherchen auch als Beweismittel vor Gericht eingebracht werden, sofern z.B. ein Straf-, Arbeits-, Zivil- oder Schiedsgerichtsverfahren angestrebt wird.

Typische Prüfungen bei einer Verflechtungsrecherche:

  • Compliance-Datenbanken mit mehr als 3 Millionen auffällig gewordenen Personen oder Firmen
  • Pressearchive von rund 15.000 Medien weltweit in zehn Sprachen
  • Nationale Handelsregister und internationale Unternehmensdatenbanken mit rund 300 Millionen Firmen- und Personenprofilen
  • Finanzielle Negativdaten, z.B. Insolvenzen oder Bonität
  • Geschäftlicher Leumund und Geschäftsgebaren gegenüber Partnern in der Vergangenheit
  • Immobilienbesitz, Vorstrafen oder Gefängnisaufenthalte (soweit im jeweiligen Land verfügbar)
  • Auffällige Verbindungen zu Politik, staatlichen Institutionen oder Organisierter Kriminalität (OK)
By | 2019-09-04T09:48:42+00:00 September 4th, 2019|Blogbeitrag|Kommentare deaktiviert für Verflechtungsrecherchen decken kriminelle Geschäftspartner auf

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