Problem und Ausgangssituation
Ein Unternehmen aus der Finanzbranche wurde telefonisch und schriftlich damit erpresst, dass Kundendaten an verschiedene Interessensgruppen versandt werden sollten und damit ein erheblicher Schaden für das Unternehmen entsteht. Der mögliche Schadensumfang umfasste in diesem Fall neben direkten finanziellen Einbußen auch einen massiven Reputationsschaden (wie ähnliche Fälle in der Presse bereits zeigten). Die Forderung des Erpressers lag in einem siebenstelligen Eurobereich.
Zunächst wurden die Anrufe und Schreiben des Erpressers nicht ernst genommen, bzw. fand sich in der Organisation des Unternehmens keine verantwortliche Stelle, die im Rahmen einer Bedrohungsanalyse die Ernsthaftigkeit der Androhung hätte verifizieren können. Erst nach mehreren Monaten bündelte das Unternehmen die von dem Erpresser gelieferten Beweisproben und übergab diese an die Hausjuristen.
Diese erkannten aufgrund der Inhalte die mögliche Brisanz einer Veröffentlichung und beauftragten umgehend Corporate Trust dem Aufbau eines Krisenstabes und der Aufklärung der Erpressung.
Analyse und Feststellung
Gemeinsam mit den Hausjuristen erfolgte eine Erstbewertung der Lage, die sehr schnell zeigte, dass der unbekannte Erpresser umfassende Kenntnis über die Kundendaten und Geschäftsprozesse des Unternehmens besaß. Daher wurde umgehend ein fallspezifischer Krisenstab eingerichtet, bei dem die Krisenberater von Corporate Trust die Moderation und die fachliche, externe Krisenberatung übernahmen.
Nach der Analyse des bisherigen Schriftverkehrs und Interviews der Mitarbeiter im Unternehmen, die telefonischen Täterkontakt hatten, wurde durch den Kriminalpsychologen von Corporate Trust ein Täterprofil erstellt. Dies diente u.a. dazu, sich bei künftigen Kontakten angemessen (Vertrauensbildung, ernst nehmen der Bedrohung) zu verhalten. Daneben hatte es den Zweck, mögliche Täter – die einen berechtigten Zugriff auf die Daten hatten – identifizieren zu können. Auf Basis der erarbeiteten Verhandlungsstrategie konnte mit dem Erpresser ein intensiver, elektronischer Schriftverkehr aufgebaut werden, dessen Auswertung neben den inhaltlichen Informationen auch Spuren des Absenders verriet, die durch die IT-Forensiker von Corporate Trust zugeordnet werden konnten.
In den folgenden Sitzungen des Krisenstabs lag der Arbeitsschwerpunkt vor allem darin, die Stelle im Unternehmen zu finden, bei der zu einem gewissen Zeitpunkt alle übermittelten Informationen zusammenliefen. Daneben wurde durch das vorhandene Täterprofil in Verbindung mit dem Versandort der Täterschreiben in der Personalabteilung des Unternehmens nach mutmaßlichen Tatverdächtigen geforscht. Ein weiterer wesentlicher Aspekt in den Krisenstabssitzungen war die Erarbeitung einer Kommunikationsstrategie, der verschiedene Szenarien und Zielgruppen zugrunde lagen. Da man von einer umfassenden Veröffentlichung der Kundendaten ausgehen musste, wurden Pressemitteilungen hierfür ebenso vorbereitet, wie auch Statements für den Fall der Aufklärung der Erpressung.
Tatsächlich konnte bereits innerhalb weniger Tage durch systematisches und prozessorientiertes Abarbeiten der Aufgabenfelder im Krisenstab ein möglicher Tatverdächtiger identifiziert werden.
Damit war nunmehr der Zeitpunkt erreicht, an dem im Krisenstab auf Anraten von Corporate Trust beschlossen wurde, Strafanzeige bei der zuständigen Polizeibehörde zu stellen und die vorliegenden Indizien zu übergeben. Durch die Einbindung der Polizei veränderte sich die Arbeit im Krisenstab insoweit, als dass die Maßnahmen auf die polizeilichen Ermittlungsmaßnahmen und –vorgaben abgestimmt wurden und sehr intensiv mit der zuständigen Pressestelle der Polizei an einem Update der Kommunikationsstrategie gearbeitet wurde.
Die polizeilichen Ermittlungen auf Basis der zur Verfügung gestellten Indizien führten zu einer Verhärtung des Verdachts, so dass bereits wenige Tage später der Zugriff mit Sicherstellung der Kundendaten erfolgen konnte.
Handlung und Erfolg
Die Implementierung eines Krisenstabes, in dem alle notwendigen Kompetenzen gebündelt, Informationen zusammenlaufen und systematisch abgearbeitet werden, verhalf dem Unternehmen in kurzer Zeit dazu, der Bedrohung angemessen und besonnen zu begegnen.
Die Staatsanwaltschaft wurde zum richtigen Zeitpunkt eingebunden und die von Corporate Trust erarbeiteten Ermittlungsberichte bildeten die Grundlage für die Aufklärung des Falles. Der Täter konnte ermittelt werden, die Unternehmensdaten umfassend sichergestellt und nach dem Strafverfahren wieder an das Unternehmen zurückgegeben werden.
Das Unternehmen hat Corporate Trust im Anschluss beauftragt, eine umfassende Risikoanalyse für alle Unternehmensprozesse zu erstellen und daraus Standardprozesse für das Krisenmanagement zu erarbeiten. Daraus resultierte ein durch Corporate Trust erstelltes Krisenstabshandbuch, in dem alle wesentlichen Elemente des Krisenmanagements zusammengefasst wurden (Erreichbarkeiten, Krisenkommunikation, Checklisten, Verhandlungsführung). Ein institutionalisierter Unternehmenskrisenstab wird künftig in regelmäßigen Abständen, unter Moderation von Corporate Trust, die Bewältigung der erarbeiteten Bedrohungsszenarien trainieren.






